Treffen mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Aumer (CSU)
Geplante Honorarkürzungen und Budgetierung könnten Versorgung massiv verschlechtern
Am Freitag den 29.05.2026 konnte ein Austausch zwischen VertreterInnen der Psychotherapie und Herrn Aumer von der CSU (Bundestag) stattfinden.
Frau Eisinger war Teilnehmende dieser Runde und konnte aktiv im Gespräch Einfluss nehmen.
Heute möchten die psychotherapeutischen Praxen in Roßbach über dieses Gespräch informieren:
Bis zu 5.000 Patientinnen und Patienten weniger Versorgung in der Oberpfalz!
Psychotherapeutische Praxen schlagen Alarm!
Regensburg. Die psychotherapeutische Versorgung in der Oberpfalz steht nach Einschätzung niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten vor einer ernsten Belastungsprobe. Bei einem Treffen mit dem Bundestagsabgeordneten der CSU, Peter Aumer, am vergangenen Freitag schilderten Vertreterinnen niedergelassener Praxen (Dr. Beate Leinberger, Barbara Veit, Dagmar Gerl, Elisabeth Eisinger, Dagmar Schmidt, Lena Fuchs und Mirjam Sötz), Ausbildungspraxen (Sylvia Eiblmaier), VertreterInnen der Aus- und Weiterbildung sowie der Studierendenvertreter Raoul Erhard die Auswirkungen der geplanten Honorarkürzungen und des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Ihre Warnung ist deutlich: Weniger Behandlungsplätze, längere Wartezeiten und eine zunehmende Zwei-Klassen-Medizin könnten die Folge sein.
„Psychotherapie verhindert Leid, Krankenhausaufenthalte, Frühberentungen und lange Arbeitsunfähigkeiten. Wer hier spart, spart an der falschen Stelle“, lautete die zentrale Botschaft des knapp zweistündigen Gesprächs.
Die Therapeutinnen und Therapeuten berichteten von bereits heute stark ausgelasteten Praxen. In vielen Regionen der Oberpfalz warten Betroffene durchschnittlich sieben Monate auf einen Therapieplatz. Besonders angespannt sei die Lage in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Seit der Corona-Pandemie sei die Zahl psychisch belasteter Kinder und Jugendlicher deutlich gestiegen, während die vorhandenen Kapazitäten vielerorts nicht ausreichten.
Anhand konkreter Fallbeispiele wurde deutlich, welche Folgen ein schnellerer oder späterer Therapiebeginn haben kann. So konnten Patienten durch die Möglichkeit zeitnaher Termine zügig stabilisiert werden, was einen raschen geregelten Alltag zur Folge hatte und auch die Berufsausübung wieder ermöglichte. Ohne zeitnahe Hilfe wären längere Krankheitsverläufe und höhere gesellschaftliche Folgekosten wahrscheinlich gewesen.
Besondere Sorge bereitet den Praxen die geplante Deckelung sogenannter hälftiger Kassensitze. Obwohl diese formal nur die Hälfte eines vollen Versorgungsauftrags umfassen, arbeiten viele Therapeutinnen und Therapeuten faktisch vollzeitnah und versorgen deutlich mehr Patientinnen und Patienten als rechnerisch vorgesehen. Fällt die Vergütung für diese Leistungen künftig weg, drohen nach Einschätzung der Anwesenden erhebliche Versorgungseinbrüche.
Für die Oberpfalz wurden konkrete Zahlen genannt: Aktuell gibt es 117 volle Kassensitze sowie 337 hälftige Sitze. Sollte die geplante Begrenzung umgesetzt werden, könnten nach Berechnungen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zwischen 3.000 und 5.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr weniger versorgt werden. Allein in Regensburg und dem umliegenden Landkreis wären rund 1.000 Menschen betroffen.
Auch wirtschaftlich sehen viele Praxen ihre Existenz bedroht. Die geplante Honorarkürzung von 4,5 Prozent trifft auf bereits steigende Kosten für Miete, Personal, Energie, Digitalisierung und Qualitätssicherung. Praxen, die Verwaltungskräfte beschäftigen, um den hohen organisatorischen Aufwand zu bewältigen, müssen diese Stellen bei weiteren Einnahmeverlusten streichen.
Neben den aktuellen Kürzungen wurde auch die prekäre Situation des psychotherapeutischen Nachwuchses thematisiert. Die Reform der psychotherapeutischen Ausbildung sollte eigentlich eine bessere und fair finanzierte Weiterbildung ermöglichen. Bis heute fehlt jedoch eine ausreichende Finanzierung. Junge Kolleginnen und Kollegen berichteten daher von wachsender Unsicherheit hinsichtlich einer späteren Niederlassung im Kassensystem.
Die Anwesenden kritisierten zudem, dass die ambulante Psychotherapie lediglich rund 0,7 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung verursacht. Gleichzeitig könne sie hohe Folgekosten verhindern. „Psychotherapie ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe“, betonten die Teilnehmenden.
Zum Abschluss übergaben die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dem Bundestagsabgeordneten eine Dokumentation ihrer Anliegen. Sie fordern die Rücknahme der Honorarkürzungen, den Verzicht auf eine Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen sowie eine langfristige Sicherung der ambulanten Versorgung.
Der Bundestagsabgeordnete sicherte zu, die vorgetragenen Argumente in die weiteren politischen Beratungen einzubringen. Angesichts des steigenden Bedarfs an psychotherapeutischer Hilfe sei eine leistungsfähige ambulante Versorgung unverzichtbar.
Verfasserin: Dr. Beate Leinberger, bvvp Bayern Praxis für Psychotherapie
Die psychotherapeutischen Praxen Roßbach setzen sich weiterhin entschieden gegen die geplanten Kürzungen in der Psychotherapie!
Elisabeth Eisinger und Stefanie Dechant